Jammern auf hohem Niveau

Oder sind die aktuellen Bank-Quartalszahlen ein alarmierendes Signal?

Die Deutsche Bank halbiert den Quartalsgewinn im Vorjahresvergleich und überrascht die Anleger positiv. Statt 236 Mio. Euro Gewinn hatten Experten mit einem Verlust in Höhe von 300 Mio. gerechnet. Die Commerzbank halbiert den Gewinn zum Vorjahresquartal ebenfalls auf 273 Mio. (mehr als beim größeren Wettbewerber) und der Aktienkurs rutscht um 11 Prozent.

Kein guter Aufschlag für den neuen Chef bei der Bank mit dem jetzt gelben Band der Sympathie. Auch einige andere Banken haben die Quartals-Flaggen auf Halbmast gesetzt. Bei der HSBC hat man nur einen Gewinn von 3,9 Mrd. Euro erwirtschaftet, eine Milliarde weniger als im Vorjahr. Heerscharen von Mitarbeitern werden nun mit dem Hut in die Einkaufszonen geschickt, um Spenden zu sammeln.
Eine Überraschung liefert die BNP, welche ihren Gewinn um 160 Mio. auf 1,81 Mrd. Euro steigern konnte. Welche Aussagekraft haben diese Zahlen für die weitere Zukunft unserer Branche? Isoliert betrachtet: Keine! Die Strukturprobleme durch niedrige Zinsen bleiben den Banken erhalten. Die ganz Großen der Branche werden über ihr diversifiziertes Geschäftsmodell und weitere Fleißaufgaben bei der Kostenreduktion die eine oder andere Delle wegstecken können. Sehr spitz aufgestellte Spezialinstitute werden sich auch in die Zukunft retten.

Viele kleinere Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die mal einen Blick auf eine simulierte Bilanz der Jahre 2016 ff. werfen, dürften ein flaues Gefühl in der Magengegend bekommen. Müssten sie aber nicht. Die Aussage, dass das Geschäft mit Privatkunden schwierig ist und die bösen Unternehmen keine lukrativen Kredite nachfragen, ist schlichtweg falsch. Unternehmen, die Kredite brauchen, bekommen keine. Selbst mit ordentlichen Risikoaufschlägen nicht. Basel III und die Angst der Banken vor Wertberichtigung lassen grüßen. Zudem machen Firmen wie eine DVAG immer noch gute Provisionsgeschäfte mit Kunden, die bei Banken nur noch ein unlukratives Konto halten.

Fazit: Beschäftigt Euch wieder mit Euren Kunden. So wie früher!

Bildnachweis: vm via istockphoto.com

Verfasst von
Thorsten Hahn

Aktualisiert am:
13. Mai 2016 / 12:58 Uhr

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